Kleiner Aufsatz über das Denken

Wie war das, als die ersten fremden Gedanken in den Kopf eindrangen?
Wer war es, dessen Gedanken begannen, das eigene Denken zu formen?
Im Nachsinnen über diesen Umstand keimte der eigene Gedanke auf, dass es fremde Worte, von mehr oder weniger Fremden gesprochen waren,
die ich selbst als erstes versuchte zu verstehen, bis später daraus Lesen wurde und ein wenig Selbstbestimmung und eigenes Denken wurde.

Dass es fremde Geschichte waren, die in Sprache und Bild in einen eindringen, dass es so seine Zeit gedauert hat, bis man in der Lage war, Eigenes zu ersinnen.
Man war über lange Zeit fremdgedacht.

Ein Umstand, der, soweit man es beurteilen kann, nichts außergewöhnliches war und ist.
Passiert wohl jedem.

Ich nehme diesen Gedanken und drehe ihn hin und her, versuche mich an ihm und denke an Kaspar Hauser und den Wolfsjungen und Jean Itard.

Denke an Fritzl in Amstetten, wie das wohl so war, für die Kinder, die er da in seinen Kellergewölben gezeugt hatte, wie die wohl die Welt wahrnehmen, jetzt, wo sie endlich “frei” sind und dann, doch nur, Studienobjekte für ein paar hocherfreute Wissenschaftler, die ein Phänomen mehr hatten, an dem sie sich gütlich tun können.
Verzeihung, ich bin zynisch.

Denke an die Geschichte namens Hundszahn, die ich einmal im Fernsehen gesehen habe.
Bin noch immer fasziniert von der Idee der liebenden Eltern,
den Kindern Kassetten mit verkehrten Wörterbüchern als Lernhilfe zu geben, damit die Kleinen,
die niemals das Grundstück verlassen durften, “Draußen lauert der Tod”… – das half, um sie im Zaum zu halten,
damit sie, selbst wenn sie dem Außen einmal ausgesetzt waren, deren Fremdartigkeit sofort zu spüren bekämen.
Perfid.
Wie sollte das auch anders sein, wenn man die Worte für Zähne bürsten, warm, kalt, Wasser, Brot, Messer und Gabel nicht kennt, dank des Wörterbuches, dass hierfür andere Worte lehrte, andere, die so falsch waren wie alles, was die lieben Kleinen über das Leben in Erfahrung bringen durften.

Das Denken wird geformt durch das Außen.
Schon erschreckend, in welch geringem Maß dieser Vorgang des Lehrens und Lernens kontrolliert und dennoch als selbstverständlich und natürlich der guten und einzig richtigen Norm entsprechend verstanden wird.
Ein Schelm, wer dabei böses denkt…

NaturKind2

2 Gedanken zu “Kleiner Aufsatz über das Denken

Was gesagt werden muss...

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s