In deinem Kopf

Jetzt bin ich in deinem Kopf und spreche mit deiner Stimme zu dir.
Bin dein Gedanke und dein Denken.

Du liest diese Zeilen und ich bin tiefer in Dir, als Du es Dir jemals vorstellen konntest,
womöglich tiefer, als Du es Dir je gewünscht hast.
Doch dies geschieht aus freien Stücken und nur so kann es geschehen.

Ebenbürtig ist nur das gesprochene Wort,
dass, wenn es einmal frei gesetzt,
losgelassen, ausgesprochen wurde,
nie mehr zurückgenommen,
nie mehr aus der Erinnerung gelöscht werden kann.

In deinem Kopf.
Da bin ich nun.

Was machen wir beiden nun, mit diesem Geschenk, dass Du mir da freimütig,
womöglich ohne darüber genauer nachgedacht zu haben, überlässt?

Soll ich finstere Bilder malen?
Lustvoll den Raum, mit schweren Stoffen auskleiden, füllen mit dem Geruch, sich liebender Körper,
denen der Schweiss aus allen Poren rinnt, die sich verschlingen, in endloser Lust,
zwei Leiber und doch eins?

Soll ich Maden kriechen lassen, die sich unter Fingernägeln hervorwinden,
aus offenen Mündern,
die, im Schrei verzerrt, nun still, zerschlagen vor Dir liegen?

Willst Du Landschaften aus Körpern sehen, entstellt,
malträtiert, in unendlicher Qual dem Jenseits harrend?

Ein Bach, durch grüne Wiesen mäandernd,
Vögel, die feine Lieder singen, Libellen, die achtsam ihre Kreise ziehen,
Flügel, schwirrend,
die Luft, vibrierend, das Licht orange, ein wenig gelb,
warm, der Wind, leicht, dich umspielend.

All das, in deinem Kopf.
All das, war ich.
Verzeihung, mir war grad danach.

Hieronymus Bosch Die Hölle
Hieronymus Bosch
Die Hölle

5 Gedanken zu “In deinem Kopf

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