Ode an Bob

Heute muss es mal wieder sein. Aus den Tiefen des Blogs:

Heute muss es sein.
Heute ist es an mir, zu gestehen.
Seit Wochen schiebe ich es vor mir her.
Heute muss es raus.
Kein Warten, kein Zögern.

Also, wie soll ich es sagen?
Ich liebe…
Ok, ein wenig übertrieben.
Ich verehre…
schon besser,
das kommt hin.

Nun gut, raus damit.
Ich verehre
Bob Ross.

Es gibt diese Momente, in denen ich von Unruhe erfasst werde,
in denen ich nicht in Gleichform schwinge,
sondern zerfahren, hektisch suchend, wild,
auf der Fernbedienung meines Unterhaltungsschirmes herumdrücke.

Da scheint ein gewisser Mechanismus dahinter zustecken, ein Unterbewusstsein,
dass die Zerfahrenheit mit dem Drücken der Fernbedienung synchronisiert.
Denn, wenn ich dies tue, so sei versichert, liebste Leserin, liebster Leser,
dass irgendwo “The Joy of Painting” läuft.

Ich meine, schon alle Sendungen gesehen zu haben, vielleicht ist es einsetzendes Alzheimer,
vielleicht nur falsche Überzeugung, doch überrascht mich jede Sendung aufs Neue.
Aufs Neue, in ihrer Naivität, ihrer Einfachheit, in der Wahl der Motive, in der friedvollen Stimmung,
in der die ewig gleichen und doch immer wieder überraschenden Wald, Himmel, Berge, Seen, Motive variiert werden.

Bob hat den magischen Schlüssel, um räumliche Tiefe auf flacher Leinwand zu schaffen.
Er hat einen Pinsel, mit dem ich tapezieren würde und schafft Welten mit ihm.
Er hat Strichtechniken, die bei mir nur verkrampfte Unterarme erzeugen würden.
Und er hat eine Stimme, so tief und ruhig, dass jegliche Hektik,
all die Unruhe, der Unfrieden von mir fällt.

Obwohl dies zutiefst dem Meister missfallen würde, wäre es doch gut,
die Irren dieser Welt vor den Schirm zu binden und ihnen acht Stunden (ja, ich weiß, was das bewirken würde) Dauermalen zu präsentieren,
mit anschließendem Freiraum für Malen und Pinsel an der Staffelei abwedeln.

Bob schafft Welten, die so friedvoll sind, er schafft Welten, in denen jeder Busch,
jeder Teich, jeder Baum voller Leben ist.
Freilich malt er es nicht hinein, das könnte jeder.
Bob spricht das Leben in seine Welten.
Die dann so voll sind. voller “happy little Bushes” oder Squirrels
und vor allem voller “happy little accidents” .

In der Welt von Bob gibt es niemals Fehler, alles ist gut,
alles ist nur Möglichkeit, Chance, alles wertet das Bild auf.
Sprüche wie “Any way you want it to be, that’s just right.”
oder “We don’t know where it goes. We don’t really care.”
zeugen von höchstem Gleichmut, der sich in feinster Kunst manifestiert.

Bob ist ein Meister des Trivialen. Und dafür verehre ich ihn.
Bob ist ein Meister der Dramaturgie.
Immer dann, wenn ein Bild in seiner Perspektive gelungen, in seinem Motiv fertig erscheint,
immer dann kommt sein obligatorisches “Now, let’s get crazy!”
Und ich weiß, oh yeah, er tut es wieder, er versaut das Bild.

Er nimmt einen Pinsel, spricht sein “You decide.” und dann setzt er einen vertikalen, krummen Strich mitten übers Bild.
Schmerzen durchfahren mich, die Erkenntnis, immer die Selbe, immer überflüssig.
Er hat das Bild ruiniert.
Setzt den einen krummen Strich, verschandelt alles, nimmt den breiten Tapeziererpinsel,
hat sich eine neue Farbsauce angemacht, tätschelt mit dem Pinsel an dem Strich herunter und plötzlich erstrahlt ein Baum.

Es ist, als ob er gerade noch nicht existiert hat, als ob er,
in einem diabolischen Einfall alles ruinieren wollte,
doch hat er nur schelmisch mit seinem Handwerk gespielt,
den Zuseher erneut vorgeführt.

Ich liebe und hasse ihn, wenn er Bäume malt.
Ein ums andere Mal rufe ich aus “Er hat das Bild ruiniert!”
Und immer wieder verblüfft er mich.

Ich werde aufschreien und weinen und bis dahin hoffentlich alle Sendungen aufgezeichnet haben,
damit es mich nicht so schwer trifft.
Ich werde greinen, wenn sich die Fernsehmacherschwachmaten dazu entschließen die Sendung aus dem Programm zu nehmen.

Bis dahin werde ich wieder und wieder diese 30 Minuten Frieden in mich hinein saugen und auf alle Ewigkeit dem Wunsch widerstehen,
selbst so ein Gemälde zu versuchen.

Thank you Bob!
Für alles.

http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sendungen/joy-of-painting/joy-of-painting102.html

37 Gedanken zu “Ode an Bob

  1. Na prima! Vielen Dank. Es war bisher ein famoser Sonntag. Sanftregen, Pfefferminztee, Bloglesen und jetzt das…wenn ich mal Amok laufe, dann wegen dem Typ. Das Gesäusel macht mich kirre. Blöderweise weiß das der Lieblieblingsmensch und weiß, was er tun muß, wenn er seine Ruhe vor mir haben will. Und jetzt auch noch Sie! Orrrrr!

    Gefällt mir

      • Ich denke, dass es weniger aeine Stinme ist, sondern mehr die Atmosphäre. Er steht da und malt und ist eins mut sich selbst. Die Stimme ist der kleinste Teil dabei. Warum das insbesondere Männer anzusprechen scheint …. Ich selbst bin da bei eingrschlafen. Fasziniert davon, wie er in sich selbst aufzugehen schien.

        Gefällt mir

Was gesagt werden muss...

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s