Dreck statt Luft

… und dann wachst Du auf, es ist spät oder noch viel zu früh, Du wachst auf, eben mitten in der Nacht und der Traum war nicht schön und froh bist Du, dass die Erinnerung an ihn verblasst und hoffen wirst Du, dass der nächste Schlaf keine Fortsetzung mit sich bringen wird, denn lieber sind Dir die Schrecken, die Du nicht kennst.
Die Hände, die Dich gerade noch in den Schmutz gedrückt haben, die mit Macht die Luft aus deinen Lungen gepresst haben, so dass der nächste Atemzug nur Dreck statt klarem Leben im Sog in Dich bringen würde, die Hände, der Druck, sie sind fort und eben deshalb, bitte, kehrt nicht wieder. Jetzt, wo Du wach bist, weißt Du, dass dein Kopf Dich mahnt, Dir eine Lektion erteilen will und Du bist wie der der kleine Schüler, der nicht aufgepasst hat und dafür hast Du dich selbst bestraft, lässt Dir den Traum Mahnung und Strafe sein. Und wie schon so oft nimmst Du Dir vor, dass Du es beim nächsten Traum darauf ankommen lassen wirst, dass Du es hinnehmen wirst, dass es dann eben nur noch Dreck statt Luft ist, dass Du die Messer, mit denen sie auf Dich einstechen wollen, Dir das Fleisch von dem Knochen ziehen wollen, annimmst, hinnimmst, deiner Hinrichtung beiwohnen wirst, in dem gelassenen Wunsch, erleben zu wollen, was nach dem Ende kommt, was Dein Kopf nach dem Ende für Dich bereithält. Ob es wohl so sein wird, wie bei einer Maschine, deren rote Warnsignale, deren kreischende Sirenen Du ignorierst, deren Skalen tief ins Rote abgeglitten Du beiläufig wahrnimmst, wissend, dass der Überlastung die Irreparablität, Irreversiblität und das vollkommen zerstörte Ende folgen wird. Dass dem sicheren Ende keine Instandsetzung folgen wird, dass dann nur Neuem Platz gemacht werden kann, ja muss, weil die Überbleibsel nur noch Schrott der nicht recyclebaren Art sein werden. Auf das, was dann kommen wird, freust Du Dich auf deine masochistische Art, wohl wissend, dass die Folgen, die Spuren, die dieser Verlust hinterlassen wird, folgenschwer sein werden. Dass kein Weg mehr zurück führen wird. Gute Nacht.

3 Gedanken zu “Dreck statt Luft

  1. Was ist es, was uns dennoch aus dem Traum rauskatapultiert? Wie oft lag ich schon japsend und schweißgebadet nach dem ersten Erschrecken und dachte nur, bitte beende das endlich. Wen bat ich da und wer verwehrt mir genau das? Wohl ich selbst und der unbändige Lebenswille, der tief in mir verankert. Nachdenkliche Grüße, Ihre Käthe.

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    • Aber wenn ich es selbst bin, der mich vom Weiterträumen abhält, kann ich es dann dennoch zulassen und dem, was da kommen mag entgegen sehen? Was würde kommen? Wahnsinn? Der sichere Tod? Zu gerne würde ich mir von außen zusehen wollen, vielleicht als Aufzeichnung. Würde ich schreien, zucken, mich wehren, um mich schlagen? Oder spielt es sich doch nur in mir ab? Ist der Dreck in der Lunge nur ein schauriges Erlebnis, ohne Substanz?

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      • Das ist es wohl, was uns dann unterscheidet, lieber Faktoid. Mein Selbst will das Ende, vor allem wenn es so barbarisch wie in manchem Traume ist, nicht sehen. Es ist auch nur der erste, schattenflügelnde Gedanke, wenn ich aus dem Traum hochschieße, als wäre der Schmerz tatsächlich da und möge einfach nur vorbei sein. Eine Zeitlang schlug das in blanke Panik um, weil reale körperliche Schmerzen belastend hinzukamen. Brauche ich nicht mehr, nie. Ich denke, bei schlimmen Qualen verliert man zuerst den Verstand.

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