Wer von mir schreibt heute?

Im Morgengrauen, wenn das Nachsinnen beginnt.
Befrage ich mich, führe Zwiesprachen mit meinem Ich.
Wer von mir wird antworten, wird mir einflüstern?

Da ist der eine, der nie bei der Sache, welche auch immer, bleibt.
Der stets nach neuen Einflüssen Ausschau hält, j
edes noch so kleine Signal aufnimmt und zu etwas größerem machen will.
Sein Schäumen und Sprudeln, sein hektisches Treiben vergeht so schnell, wie es entstanden ist.
Ihn festzuhalten ist nicht möglich, auch das was er gebiert ist flüchtig.

Notizbücher, schnell hingekritzeltes, Diktaphone, ihm ist nicht beizukommen.
Rastlos eilt er von einem Funken zum nächsten,
hier ein Geräusch, da ein Wort, ein Bild, ein Lichtblitz.
Wie spielende Katzen, von einem Eindruck zum Nächsten. Uneinholbar.

Ihm direkt gegenüber hat der Zweifler sein Quartier bezogen.
Der Keim ist sein Feind.
Ist er entstanden, blitzt etwas auf, so beginnt seine ätzende Arbeit.
Einem Derwisch gleich wirbelt er um den kleinen Keim herum, beäugt und bekrittelt.
Sieht nur das Schwache und Fehlbare.
Nie die Schönheit und Eleganz. Nicht das Leuchten, nur den Schatten.
Manchmal reißt schon sein Wirbeln den Keim hinfort.
Achtlos landet er in einer Ecke, ist fort, meist für immer.

Sein guter Freund, der Nörgler wohnt unter ihm.
Schon das Wirbeln des Zweiflers bringt ihn zum platzen.
«Das Getrampel, es macht mich irre!»
So beginnt er sein zersetzendes Werk, findet an allem etwas.
Sein Einsatz zur unpassendsten Gelegenheit ist sein Terrain.
Der Zweifler, er zerstört die Ideen im Innen.
Der Nörgler jedoch, ganz der Feind von Allem und Jedem,
sein Werk wird im Außen vollbracht.
Stößt vor Köpfe.
Drängt zurück, was oder wer sich nähern will.

Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute ein Ringen.
Wer von den Dreien wird es sein, der abliefert?

Die Anderen, die auch noch sind, sie haben aufgegeben,
sind nur noch Zaungäste bei dem Spiel.
Sie sitzen, beobachten, geben wohlmeinende Ratschläge,
wo sie angebracht sind und warten auf ihren Einsatz.
Es ist ein langes Warten.

Wer war es heute, der den Kampf gewonnen hat?

Fuck Lorem

12 Gedanken zu “Wer von mir schreibt heute?

  1. Er hat geschrieben. Der, der seine ganze Energie aufbringt alles unter Kontrolle zu halten. Der, der nur darauf achtet, wer gerade agiert. Der, der alles das, was die anderen spüren, gleichzeitig fühlen kann. Der, der alle sieht.

    Der Nörgler hört und sieht nur das Störende, ist getrieben von Unruhe.

    Der Zweifler spürt nur Unsicherheit und drohendes Unheil. Verrat und Missgunst.

    Der Keim scheint die Wahrnehmung zu verbildlichen.

    Er aber, der schreibt, kann dies alles überblicken. Ihm bleibt aber nur wenig Energie und Zeit alles zu lenken. Er kann nicht mehr tun. Lass ihn uns den Sucher nennen. 

    Er sucht Verbindungslücken. Um alles zusammenzufügen. Sucht unter all denen, die dort wohnen, nach dem, der in der Lage wäre, dies alles zu beherrschen. Er nennt es das Ich.

    Er wird es nicht finden, wonach er sucht. 

    Denn er ist es selbst. 

    Der Sucher hat längst gefunden, was ihn trägt und am Leben hält.

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    • groß gedacht -> kleingeschrieben

      Dein Text sagt mehr aus, als sich in Worte fassen lässt. Ein Kampf, der keinen Sieger hervortragen kann.

      Es kann nicht nur Einen geben.

      Ein Trugschluss, falls man das denkt.

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      • Auf Dauer darf es nicht nur einen Sieger geben.
        Das nicht, für sicher, nicht.
        In einer Welt, in der Zweifler und Nörgler so mächtig sind, ist nur zu hoffen, dass auch andere zum Zug kommen.
        Andere, die Bilder in schöneren Farben malen können, als nur in grau und schwarz….

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      • Wenn die anderen auch mal sehen dürften, ja. Aber sie hocken unbeteiligt in der Ecke. Der Keim sendet vielleicht die falschen Signale und Bilder für sie. Eine Art Teufelskreis.

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  2. es gibt ja noch den anderen, der durch die kamera schaut, und dinge sieht, an denen die meisten vorbeilaufen. der sagt nichts, aber davon ziemlich viel…

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  3. Ein Meeting:
    Vorstellung eines neuen Konzeptes zur Umsatzsteigerung, Effizienzmaximierung und Profitversprechend.
    Da sitzen die üblichen Verdächtigen und es ist –
    Deine Präsentation.
    Wie gut ist sie?
    Überzeugt sie Dich?
    Wenn ja, dann wirst Du Dich gegen die üblichen Verdächtigen durchsetzen.
    Du wirst sie durch stichhaltige Argumente überzeugen von der Werthaltigkeit Deiner kreativen Arbeit.
    Der Weg zum Erfolg, Deine Überzeugung, Dein Glauben daran.
    Eine Sichtweise mal, ein Bild…?

    Lg,
    Karfunkelfee

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