Erkenntnis

… und dann sitzt Du im Auto und im Radio läuft Penny Lane und Du kannst gar nicht anders,

Du musst mitsingen, weil Du das schon als Kind getan hast, weil Du, obwohl Du damals die Worte nicht verstanden hast, doch im Innersten gespürt hast, dass das hier gut ist, sich richtig anfühlt, dass die Worte eigentlich keine Rolle spielen, aber die Wärme, die in Dir aufsteigt, das Schwingen in deiner Brust, das Beben, das war gut und das war neu und schön und groß und niemand konnte Dir so ein Gefühl geben, nur die Stimmen und dein Versuch, mit diesen Stimmen mitzusingen und dein Kauderwelsch war gut genug und das Beben so schön und warm.
Und heute sitzt Du im Wagen und zufällig ist es da wieder, das Lied und mitsingen ist Pflicht, du bist allein und wieder ist es schön und warm und salzige kleine Bäche fließen aus deinen Augen und Du musst langsamer fahren und kannst nicht aufhören, zu singen und es schüttelt dich durch, das Zucken geht durch dich, weil die Schleusen sich öffnen und es raus muss, das Schöne in Dir muss raus und die Stimme bricht und Du singst weiter und Du trauerst, weil Du weißt, dass Du das niemals mit jemandem teilen wirst, weil dieses tiefste Innerste nur Dir gehört und Du es niemandem zeigen wirst, weil Du niemandem vertraust und dann ist die Musik vorbei und Du weinst still weiter.

Penny Lane

16 Gedanken zu “Erkenntnis

      • Ja, weil man sich in solchen Momenten, in denen man überläuft vor Gefühl, weiß, dass man nicht teilen kann, was man gern teilen möchte.
        Ich sag mir dann immer, das Gefühle nicht symbiotisch sind, und es hilft mir zu wissen, dass kein Mensch – selbst wenn man sich noch so sehr bemühen würde, es zu erklären – dem nachspüren kann, was wirklich in mir ist. Da endet das Können der Emphatie. Und damit ist man nicht alleine, weil es jedem irgendwann schon so gegangen ist.
        Ein sich schließender Kreis.

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  1. „Ja, weil man sich zusätzlich einsam fühlt, in solchen Momenten …“ Sollte es heißen. Ich, die Königin des Halbsatzes. Aber du hast ja trotzdem verstanden, was ich meinte.
    Danke für das Lob 🙂

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  2. Schön und traurig. Eigentlich wollte ich nur kommentieren, dass ich beim Anblick des Fotos direkt das Lied im Kopf und auf den Lippen hatte und lachen musste, als ich feststelle, dass dein Text genau davon handelt – und jetzt kann ich mich nicht entscheiden, ob ich dir – ja, ja, ja! – vollkommen zustimme oder – nein, nein, nein! – dich ermutigen möchte, dass sich diese Einstellung, dieses Nieteilenwerden und Niemandemvertrauen, nicht verfestigt. Wie sich so ein unbeschwerter Pennylanemoment doch zur inneren Zerrissenheit aufgrund von eigenen Erfahrungen wandeln kann …

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