Der Solitär

Der Bär, die Höhle und die Einsamkeit.
Eigentlich wäre er gern ein Wolf, aber um ein Wolf zu sein, muss man Rudel mögen und das Rudel muss einen aufnehmen und auch mögen.

Und weil ihm weder das eine, noch das andere gelungen ist, beschloss, er, ein Bär zu sein, ein Tiger vielleicht oder ein Marder, eben ein Solitär.

Und kroch in seine Höhle, die er mit feinen Resten des Fells seiner Beute ausgekleidet hatte. Weich war das und spendete ebensoviel Wärme, das es ihn vor Freude manchmal schauerte und er nicht des Nachts frieren musste. Rollte sich zusammen, machte sich klein und rund und schlief seinen unruhigen Schlaf.

Der Solitär war nie einsam, das Gefühl war irgendwann abhanden gekommen war verwandelt, wurde zu grenzenloser Wut, zu Kreischen, dass durch die Nacht hallte.

Die Meute zog sich dann noch weiter in die Wälder zurück, zog es vor, dem Konflikt aus dem Weg zu gehen, verzichtete auf Revier und Privileg.
Ihm war es gleich, er war Solitär, es war Seins und er nahm es sich, als wäre es schon immer Seins gewesen.

Wenn er es zuließ, dass er seine Höhle teilte, so war dies stets von kurzer Dauer, bald biss er sie weg, schaute ihnen nicht nach, wenn sie jaulend den Bau verließen, war dann schon wieder ganz er selbst, rollte sich ein und schlief.
Bis das Ziehen wieder kam, bis die Hitze in ihm ohne Unterlass brannte, die Lenden zum Glühen brachte.
Dann musste es sein, dann nahm er sich, was sein Begehren stillen konnte. Der Einsame wurde Zwei, für ein paar gute Momente kehrte Frieden ein, der Blick, nun weicher, die Stimme sanfter, der Schlaf endlich tiefer.

Die Weiten, die tiefe Höhle. Sein Terrain.
Unteilbar seines.
Jetzt.
Für immer.
Kein Held.
Kein Abenteurer.
Nur ein Solitär.

Auszug aus Wikipedia:
Lebewesen bezeichnet man als solitär, wenn sie nicht sozial, sondern individuell, einzeln und nicht dauerhaft in Paaren oder Gruppen in einer Gemeinschaft leben.
Solitäre Lebewesen pflegen außerhalb der Fortpflanzungszeit keine Beziehungen zu Artgenossen. Ausnahmen sind zeitweise, zum Beispiel durch besondere Gegebenheiten wie Nahrungsangebote oder Brutplätze, möglich.
In der Biologie ist das Gegenstück zu solitär gregär oder gesellig.

baer jagt wolf

4 Gedanken zu “Der Solitär

  1. Thump up für den Text. Der Rest lässt kein Daumen hoch zu. Ab jetzt lese ich deine Texte erst nach dem zweiten Kaffee. Die platzen mir sonst zu unverhofft in mein argloses morgendliches Gedankengut.

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    • Schön, dass sie einen Effekt haben, wenn er auch unwillkommen ist…
      Die Dialoge, die zu dem Text geführt haben, er ist während des Dialoges entstanden, waren Hinweis genug, darauf, dass hier kein Einzelfall beschrieben wird.. Beängstigend….

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