Erbsen

F. brütet über neue Zeilen.
F. hört Deichkind, muss feststellen, dass er keine 13 und auch keine 30 mehr ist.

F. bedauert das nicht.
F. will schreiben und F. lässt sich nicht.
Ist F. schizophren?
Nicht mehr als ich oder ich.

F. hört Polygon Window, denkt an lange vergangene Zeiten, denkt an die frühen 90iger, versucht sich zu erinnern, blickt in Lücken, leere Räume, weiß nicht einmal warum.

Weiß, dass weder Drogen noch Alkohol und während er das schreibt, fragt er sich, wo da der Unterschied ist, dass also weder das eine noch das andere für die Gedächtnislücken zuständig sind.

F. denkt an die Videokassetten die er damals noch gehortet hat, an die Rückspulversäumnisgebühr, eine Mark, wenn man das Band nicht ordentlich zurückgespult abgegeben hat. Denkt daran, dass er seine DVDs immer ordentlich zurückgespult zurück gegeben hat, lächelt.

F. hört Deichkind, Denken Sie groß, versucht sich daran und mag das Gefühl, klein werden die Gedanken noch früh genug.

F. denkt an die Grafik, die er letzte Woche in einer Zeitung gesehen hat, denkt an die Studie, die eine Frau, die lange Jahre einen Partner hatte, ihn via Facebook, Whatsapp und anderem zugetextet hat und selbst auch zahllose Nachrichten bekam, denkt an die Studie, die die Häufigkeit bestimmter Trefferworte ausgewertet hat, über die Zeit.
Denkt daran, wie aus “ich liebe Dich” über die Jahre “bring Erbsen mit” geworden ist, denkt und wünscht sich ganz naiv, dass ihm das nicht passieren darf, dass Liebe und Beziehung niemals normal und gewöhnlich werden darf, denkt und wünscht sich, dass er dieses Geflecht so ausdünnen muss, dass es niemals zu wuchert, dass es niemals etwas normales werden darf, jemanden zu lieben.
Denkt daran, dass Erbsen in einer Liebe nichts, aber auch gar nichts zu suchen haben.

http://www.sueddeutsche.de/leben/sms-in-beziehungen-zeichen-der-liebe-1.2334496

F. weiß nun, dass er kein Eremit ist, er ist ein Nomade und die ziehen weiter, wahrscheinlich immer dann, wenn die Erbsenernte beginnt.

F. hört Polygon Window, 145 bpm, morgens um 7:20 Uhr und denkt und denkt und denkt.

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10 Gedanken zu “Erbsen

  1. Ein Erbsenzählertext, erinnerst Du Dich noch an den alten Song: One For you, one for me?
    Ja, wenn Liebe banal wird, kommt das hart wie Trockenerbsen.
    Faszination bedarf täglicher Hege. Das wird allzuleicht vergessen, wer es ist, der an die Erbsen denkt.

    Äh…Deichkind?
    Hui😎

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    • Deichkind rockt! Immerhin, wenn man die sechs Alben zu einem zusammengefasst hätte, wäre ein grandios gutes herausgekommen. Alleine das besagt „Denken Sie groß“ oder „So ne Musik“ oder „Arbeit nervt“ sind persönliche kleine Hymnen.

      Und bevor ich die erste Erbse zähle, bin ich weg 🙂

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  2. „klein werden die Gedanken früh genug“ – drum die Größe groß sein lassen, drum lieben, was das Zeug hält und gerade möglich ist, Erbsen vergessen, mit den Schultern zucken und denken: klein werden sie früh genug.

    Ich bin seltsam erleichtert über den Eremiten, der Nomade wurde.

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