Flatschen

Raus gehen oder drinnen bleiben?
Draußen, auf der Weide da grasen sie und sind so schwer einzufangen, wenn es noch nicht an der Zeit ist, wenn sie noch nicht gemolken werden wollen.
Da weiden sie, die Verben, die Pronomen, ach, die Substantive und da drüben, rar, so rar, aber einige konnte ich doch zusammentreiben, die Adjektive und Adverben, bunt gescheckt, aber sehr griesgrämig und schwer zu fassen zu bekommen.
Und so sitze ich drinnen, schaue raus, schaue ihnen beim Grasen zu, beim Verdauen, erster Magen, zweiter Magen und so fort und durchgekaut, hervor und runtergewürgt muss ich dann rechtzeitig die Weide abschreiten, und ihnen die Ballen zwischen den Kiefern herauszerren, bevor sie, das finale mal, Netzmagen und Labmagen und was weiß ich, ein letztes mal durchqueren und als unangreifbarer, brauner Flatschen auf die Wiese klatschen, verbraucht und für mich nur noch beim Fluchen zu verwenden.

Mit großen glasigen Augen starren sie mich an, kauen ein wenig schneller, wollen schlucken, mit großem Eifer vermeiden, dass ich ihnen den wertvollen Klumpen Wörter aus dem Mund raube. Mundraub! Wortraub!
Elender Dieb, maulen sie mir mit guturalen Lauten hinterher. Ein M und ein U, das lasse ich ihnen, ich habe noch genug davon bei mir auf Halde liegen, da kann ich mir es leisten, mal großzügig zu sein.

Und so schleppe ich den triefenden Sack voller ungereimter Worte nach Drinnen. lassen den Inhalt klatschend auf den Boden fallen, betrachte die Ernte, schüttle den Kopf, Nein, nein, nein, so geht das nicht, sortiere aus, links die guten, rechts, die für den Häcksler, die werden klein gehauen und gehen ins Futter zurück, oder in den Garten als Dünger, zusammen mit den braunen Flatschen und dann mal sehen, vielleicht kommt noch was dabei heraus. Aber, und das muss ich sagen, mit Scheiße gedüngt, bleibt Scheiße. Ist so. Da helfen auch die Rosenblüten nicht, da ist immer eine feine Note daran, die ich mal besser nicht ins Riechorgan aufsteigen lassen möchte.

Guten Morgen Welt.
Guten Morgen, ihr Wortfänger, Ernter, Viehtreiber und Pronomenzüchter.

fladen mit pilz

12 Gedanken zu “Flatschen

Was gesagt werden muss...

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s