nur Worte…

Der wenige Rest von Leben, dünn und zerbrechlich, Pergament.
Mürbe, rissig, wie Leder, zu lange der Sonne, der Hitze ausgesetzt. Dahin.

So wenig Leben, so schmal die Lücke, die Existenz bedeutet.

Ein wenig das Gasgemisch der Luft, die in die Lungen strömt verändert, der Tod kommt in Minuten.
Die Temperatur ein wenig erhöht oder unter den Nullpunkt gesenkt, der Tod erwartet dich.
Licht, das nicht mehr scheint, Pflanzen, die verdorren, der Tod kommt zu Dir, auf dunklen Pfaden.
Der Regen, der sauer auf dich hernieder fällt, zieht dir Streifen deines Fleisches ab.
Das Festmahl an Dir hat begonnen.
Wind, nicht mehr nachlassend, der Dreck, zerriebenes Glas, die chemischen Abfälle in deine Lungen treibt, wenn Du das Haus verlassen musst, weil der Hunger dich nach draußen zwingt. Wind, der dich von innen auflöst.

Lass aus den Blättern, die Du achtlos an deiner nackten Haut streifen lässt, den Brennnesseln gleich, Gift in dich strömen. Sieh, wie sich rosa Haut in Schwären aus schwarz und gelb verwandelt.
Wie Du dem Schmerz ein Haus sein wirst.
Dem Schmerz, der einer Oper gleich, sich im dramatischen Finale in Tod ergießen wird.
Kein Applaus, keine Zugabe. Das Finale.

So wenig ist es, dass Leben und Tod, die ewigen Feinde in Balance hält, nicht mehr als wenige Entscheidungen, nicht mehr, als rissiges Pergament an Worten halten kann.

Schrei

6 Gedanken zu “nur Worte…

  1. Spontangedanke I: Tod ist Nichts. Nichts hat keine Ausdehnung.
    Spontangedanke II: Dies Pergament ist beidseitig. Und durchlässig in beide Richtungen.
    Spontangedanke III: Leben ist. Was auch immer. Aber es ist.
    Spontangedanke IV: Tote schreiben keine Verse.
    Spontangedanke V: Das sind sehr lebendige Verse. Tröstlich.
    Spontangedanke VI: Mehr vom Leben bitte!

    Spontangedanke VII: Sind meine „Spontangedanken“ nur eine Sehnsucht nach eigener Originalität und den Versen unangemessen?
    Vorläufig letzter Spontangedanke: Ich sollte grüßen dem, der so lebendig(e) Verse schreibt. Freundlichst, Ihr Herr Hund

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  2. Das klingt ja wie ein Preisen des Todes. Zugegeben ist es origineller als das Leben zu preisen, das haben schon so viele getan. Aber wenn ich nach draußen blicke in die Frühlingssonne, dann fallen mir gerade ganz andere Worte ein …

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      • Das habe ich nicht herausgelesen, auch nach nochmaligem Lesen sehe ich das nicht. Ich lese eine pralle, drastische, lebendige Schilderung darüber, wie nah der Tod sein kann. Als faszinierte dich diese Nähe.

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      • Black Celebration
        Album von Depeche Mode
        Erscheinungsdatum: 17. März 1986
        Damals, auf Fly on the Windscreen: Death is everywhere… Motto und Erkenntnis… Omnipräsent…
        Künstler: Depeche Mode

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