Raum

Monate des Ausmistens.
Kubikmeter für Kubikmeter.
Nicht Messie, nur Standard.

Nur der Irssinn vergangener Jahre. Kiste für Kiste,
Abholung für Abholung.

Ein mühseliger und anstrengender Prozess.
Reinigung.
Klarheit.
Eine Regel und die mehr oder weniger Konsequent angewandt.
Alles, was länger als ein Jahr ungenutzt herumliegt, nicht tatsächlich Kunst oder ernsthaftes Andenken ist, kommt weg, wird nicht benötigt, stört den Frieden, den inneren Frieden, die Balance.

Ich werfe mehr weg, verschenke mehr, als andere je besessen haben, das schlechte Gewissen lauert hinter jedem Gegenstand.

Im Sozialkaufhaus meinten sie, das Sofa könnten sie nicht nehmen, das wäre größer als der Wohnraum der meisten Kunden…. Bitter.

Zu dunkel, zu schwer, zu belastet, so steht es draußen und wartet auf den Sperrmüll, egal.

Irrsinn Besitz. Gestern habe ich einen großen Müllsack Kabel, die sich hinter dem Schrank, der Stellfläche für die Musikanlage war, herausgerissen. Der Irrsinn ist, dass noch immer Musik erklingt, ich verstehe nicht einmal, was da genau passiert ist, nenne es unkontrollierte Wucherung, einem Geschwür gleich, herausgeschnitten und der Rest dennoch lebensfähig. Irrsinn.

Knapp 30qm Wohnzimmer beherbergen eine Menge Irrsinn. Überflüssigen Besitz, Ballast.
Alle Bücher, weg, alle DVDs weg, alle CDs, schon lange weg, die Schallplatten auf die Augenweiden und Ohrenschmeichler reduziert.
Entkernen, raus reißen, entsorgen, verschenken, erleichtern.
Nur keinen Eifer aufkommen lassen, im Extrem liegt nur Krankheit, keine Hoffnung. Das Weniger Mehr ist, habe ich begriffen und nichts, von dem, was fort ist, schmerzt, hinterlässt Lücken.

Weiß, ich mache alles weiß, biete der Unruhe keine Angriffsfläche.
Weiße Wand, weiße Möbel, das Geschirr, mein kleiner Rechner, alles weiß, Wohltat, Balsam.

Die Katzen dürfen dunkel und braun und grau bleiben, sie dürfen eh alles, was sie wollen und müssen.

Meine Kleidung ist uniform, Hose dunkelblau, Hemd, Leinen, weiß oder sanftes blau. Mein Schrank eine Ansammlung von mehrfach identischer Ware, mehr eine Boutique als persönlicher Schrank. Die Folge, kurze Wege der Entscheidung, keine Belastung, mehr Ruhe, mehr Zeit für Wichtiges, für den See, den Klang, das Denken, die Stille.

Ich brauche weniger. Immer weniger. Leere ist der wahre Luxus.
Frei. Raum.

white room

16 Gedanken zu “Raum

  1. Ich bewundere es, wenn Menschen sagen, sie bräuchten nur einen Koffer für ihre Sachen. Das bedeutet ja eben auch, dass man nur wenig Ballast mit sich herumschleppt bzw. schleppen würde. Aber ich kann es mir für mich nicht vorstellen. Eine Wohnung ohne Bücher?!

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    • Ja, auch ohne Bücher geht. Die wichtigsten sind im Keller und auf dem E-Reader… Zum Vorzeigen brauche ich sie nicht und ich muss auch feststellen, dass die meisten einmal gelesen oder angelesen im Vergessen oder in ewiger Erinnerung verschwinden. Musik liefert der Streaming Service, Filme ebenso.. Zum Einen also ein Reduzieren, zum Anderen ein Verlagern. Hauptsache weniger, dass einen bindet… 🙂

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      • Als Lehrerin brauche ich schon noch Bücher im „Reinformat“, allerdings nicht so viele, wie wir haben. Für mich haben Bücher in einer Wohnung etwas mit Gemütlichkeit zu tun. Und ich behalte nur die Bücher, die ich mag, die, die mir nicht gefallen, werden sowieso direkt verkauft oder zur Bücherei gegeben.

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  2. In einem ähnlichen Prozess befinde ich mich seit zwei Jahren. Erst kamen die Dinge dran, die nicht weiter ins Gewicht fielen, dann die, die mit Erinnerungen behaftet waren und jetzt wage ich mich auch an die Dinge, an denen das Herz klebt. Jedes Ding, das ich verkaufe, verschenke, weggebe oder in den Müll pfeffere, macht mich leichter. Ballast abwerfen. Dunkle Farben weg, helle Farben her. Garderobe entschlacken, Lieblingsteile bleiben. Ich staune und freu mich, mit wie wenigen auszukommen ist. Kein Suchen mehr, stattdessen klare Fronten und Strukturen. Und Katzen können nur genommen werden wie sie eben sind, sie tun, was ihnen gefällt. Sie wollen ihren Willen, sind straight und lassen sich nicht wirklich domestizieren. Das macht sie mir so sympathisch.

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    • Irre was? Ich habe gerade geschrieben, dass ich seit einem Jahr dran bin und wohl noch eines brauchen werde.. Mein Lieblingsraum im Haus ist gleichzeitig der kleinste… In ihm kann ich schlafen., prokrastinieren, die Freuden des intrinsichen Tuns erleben, einfach nur Sein… 3 x 3 Meter… mehr als ausreichend….

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