Alternativ

Dann sitzt Du Zuhause vor dem Schirm, liest die Nachrichten, siehst die Bilder, sammelst die Eindrücke, spielst den Schwamm, der das Elend in sich aufsaugt und speist es angewidert aus, kannst es nicht mehr sehen, nicht mehr hören. Siehst den dünnen Schwarzen auf dem Fahrrad, denkst an den Sarotti Mohr, der in Haidhausen noch immer eine Fassade ziert, denkst an die Initiative zur Demontage des alten Schildes aus den Fünfzigern, die sich noch immer nicht konstituiert hat, denkst, dass es nicht mehr lange dauern wird, schon überfällig ist. Nimmst all das wahr, schaffst es noch immer nicht, all das gänzlich auszublenden und wendest dich anderem zu, hoffend, dass das zum Ziel, der Ablenkung, dem Kreisen um sich selbst, den eigenen Bedürfnissen, dem Drang nach Frieden und Entspannung dienen wird. Denkst und beobachtest deine Gedanken, wie sie beginnen, darum zu kreisen, was nun andere sagen und tun würden, ob und wie sie dich verurteilen würden, ob deiner Ignoranz, deiner zur Schau getragenen Ignoranz. Weil du kein Gutmensch und kein Wutbürger und kein Demonstrant, nicht für die eine und nicht für die andere Sache, welche auch immer das gerade sein mag, bist, weil du dir weder den Schädel glatt rasierst, noch im schwarzen Kapuzenpulli, noch im Strickkleid für die Rechte von irgendwem eintreten wirst. Weil die Zeit dir zu schade und die Motive zu unklar sind, weil Überzeugung dir nicht widerfahren ist, weil es eben nicht so einfach ist, in Konsequenz einen Standpunkt zu vertreten, weil dann lieber gar kein Standpunkt und noch eine Flasche Wein, vom guten Roten, so lange er noch fließt, so lange du ihn dir noch leisten kannst, so lange es eben geht und dann kommt das Kürzertreten, das Enthaltsame, die kleinen Freuden, bis dann auch die aufgebraucht sind und dann kommt nichts mehr, Schwärze, der Abgang, das Finale und dann war es das auch schon mit der eigenen Existenz und was dann bleibt, spielt auch keine Rolle mehr. Dazwischen ein paar gute Tage, Wochen vielleicht, Momente sicher viele und die Erinnerung daran und das daran Festhalten und ein klein wenig sich selbst Leid tun und ein ganz viel über all das nachdenken und immer versuchen, nicht jedem Stöckchen hinterher zu laufen, dass von rechts und links und vorne und hinten auf dich zu geworfen wird. Ich und du musst es nicht fangen und während du dich nach dem Glas Wein beugst, fliegt es an dir vorbei und vielleicht ist da ein Hund oder eine Katze, die das gerade spannend findet und das ist dann auch gut.

2 Gedanken zu “Alternativ

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