Wortspiele

Ungelenk.
Ohne Übung.
Da war dieser kleine Laden, ein Schuhgeschäft, handgemachte Schuhe, geschnürt, mit Bändern, Leder, Haihaut, Büffel.
Und dass es Büffel ist, musste ich erfragen. Ich hatte nur dieses dicke Stück Leder gesehen, angenommen, es sei geklebt, geschichtet, kam nicht auf den Gedanken, dass das ein Organ sein könnte.
Immer das größte Organ; die Haut.
Es sei Büffelhaut, meinte die kleine zierliche Frau. Dass sie klein und zierlich und sehr zurückhaltend war amüsierte mich sehr, gab es da doch ihren Mann, ein beinahe zwei Meter Kerl und mir an Körperumfang und Haarpracht und vermutlich nicht nur an der, weit überlegen.
Ein Riese, Mitte 50, in Trachtlederhose und Haaren, die zu einer Sumoringerhaarpracht geflochten, ihn so entrückt und fern des Konformen wirken ließen, dass es ein Vergnügen war.
Und so lebten die Beiden in diesem kleinen Schuhladen, hinter dem Patentamt, ein Laden der nur wenige Schritt in Breite und Tiefe maß und dennoch den Schuhen, dem Gehen gewidmet war.
An der Wand, die Haut. Daumendick, für mich nicht erfassbar, dass es eine Haut war, nicht Schichten davon.
Dem Büffel dürfte zu Lebzeiten nicht beizukommen gewesen sein, außer mit drastischen Mitteln.
Es gab auch Geldbeutel aus Ochsenhoden. Das nächste Mal kaufe ich einen. Und das Wort Elefantenhoden darf ich, wenn es nach der kleinen, zurückhaltenden Frau geht, niemals in Gegenwart des Riesen aussprechen. Das habe ich mir gemerkt.

Ungelenk.
Ohne Übung.

Im Versuch, die Gedanken zu sammeln, zu schreiben, es nieder zu schreiben und dann der Gedanke, das Niederschreiben wie Ringen ist, ringen mit Wörtern, flüchtigen Gedanken, dem Versuch, sie in den Griff zu bekommen und dann: Niederringen, Niederschreiben.
Nieder, nieder, nieder, immer drei Mal, sonst hat es keine Wirkung.
Was für ein merkwürdiges Wort. Ich rolle es hin und her, versuche, es zu fassen zu bekommen. Niederschlag.
Klingt nicht nach meinem Wortfavoriten.

Und hüpf’. Der Wortfavorit. Welcher könnte es sein? Ein Lieblingswort, das kein Name ist, nicht Isla. Weil Isla eben statt einer Insel auch ein Name ist und mein krudes, spontan ersonnenes Regelwerk verbietet Namen. Also auch nicht Seraphina, obwohl ich den auch wirklich schön finde.

Regen, das ist ein schönes Wort, Regen, weil er warm sein kann, weil er so schön die Haut berührt, im Sommer, im Schauer. Weil er das Hemd durchweicht und so herrlich an einem kleben lassen kann.
Regen mag ich. Die Abkühlung, das Spüren. Das Lachen im Regen. Das gefällt mir.
Also Regen. Viel schöner als Niederschlag.
Und noch immer ungelenk, noch immer ein wenig unter Schmerzen.
Schmerzen sind gut, zwingen zum Handeln. Oder sich darin suhlen. Das kann auch heilend sein. Schmerz heilt. Gelegentlich.

Worte heilen, heilen Ungelenkes.
Wortspiele.

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Ein Gedanke zu “Wortspiele

  1. Zumal Niederschlag an niedergeschlagen erinnert, wovon beide Wortbedeutungen negativ sind. Und das kleine (sich) regen was lebendiges, aufweckendes sein kann …
    Schön, dass du wieder mal da bist!

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