Die Präsenz des Todes.

Die Nähe, das Bewusstsein, dass er immer näher kommt.
Er langsam und stetig sich zu seiner wahren Größe errichtet und einem Riesen gleich, den Weg und die Sicht versperrt, auf das was hinter der nächsten Biegung liegt, die mehr und mehr außerhalb der eigenen Reichweite liegt.
Bud Spencer, Manfred Deix, Prince, Bowie, Bernie Worrell, der irre Keyboarder aus Stop making Sense, dem noch immer besten Konzertfilm (sorry Prince, sorry LCD Soundsystem) und so viele andere, die nun nur noch Vergangenheit sind.

Ich weiß um das Alter meines Vaters, dem Letzten und Einzigen, der noch Bedeutung hat in meinem Leben, wenn es um Familie geht.
Und diese Unausweichlichkeit, die Schwärze der Gedanken, ist eine Schlinge aus Kuhzaun, die sich enger und enger um einen schnürt und den Schmerz als Vorgeschmack, auf das, was kommen wird in die Haut reißt und tiefer dringt und schnürt und schnürt.

Er ist ein ungeliebter Gast, dieser Tod, er kommt zu den unpassendsten Gelegenheiten und seine Hinterlassenschaft ist Säure, die sich durch alles hindurchfrisst, ätzend und giftig.

50 Jahre und kein Verlust, der mir nahe gegangen ist, weil niemand von mir gegangen ist.
Aber, wie der weise Tyler Durdon gesagt hat “on a long enough timeline the survival rate drops to zero”, Irgendwann ist es vorbei und mir graut davor, diese Erfahrung machen zu müssen. Mir graut.

Alle, die schon gegangen sind und noch gehen werden, rufen Erinnerungen, Gefühle und längst Vergessenes wieder wach und nicht alles ist gut, was da unten tief verborgen liegt, hinter Türen, deren Riegel schwer und voller Schlösser sind.
Aus gutem Grund. Der Tod, dieser Einbrecher und Schloßknacker, der ungebetene Fremde im eigenen Haus, ihm ist es gleich, was da nach oben steigt, wenn keine Türen und Schlösser die Verließe verriegeln.
Ihm ist es gleich, mir graut es.

IMGP3596

9 Gedanken zu “Die Präsenz des Todes.

  1. Er kommt. Unausweichlich. Und immer öfter. Erst im Februar und jetzt steht er wieder vor der Tür eines geliebten Menschen. In meinen 54 Jahren habe ich durchaus Verluste erlitten, die mir sehr nahe gingen. Doch oder gerade deshalb weiß ich inzwischen, dass immer was bleibt. Es schmerzt aber mir graut nicht mehr, weil das Sterben auch Leben ist…

    Schön, dass Du wieder schreibst! Und manchmal denke ich an Dich, einfach so…

    E.

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  2. „50 Jahre und kein Verlust, der mir nahe gegangen ist, weil niemand von mir gegangen ist.“

    Ein Satz, der mich schaudern läßt, doch nicht vor Grausen, sondern vor gefühltem Verstehen, warum Sie so dunkel sind, lieber Faktoid. Der Tod hat nichts grauseliges, außer er wird von stumpfen Menschen gewaltvoll herbeigeführt oder von Maschinen über seine Zeit hinaus ferngehalten. Der Tod kann grausam wirken, doch seine Gnade kann erleichternd sein. Und kommt er überraschend, erkennen wir durch ihn unser wirkliches Lieben, jenes was schmerzhaft durch unsere Körper jagt.

    Was steht da zwischen den Zeilen? 50 Jahre und kein nahegehender Verlust… Es steht mir nicht zu, darüber zu spekulieren, dennoch gänsehaute ich.

    Herzliche Grüße von Freude durchdrungen, von Ihnen zu lesen. Ja, auch in Ihrer eigenen, tiefdunklen Art. So sind Sie eben einzigartig.
    Ihre Käthe Knobloch.

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      • Fluch und Segen schließen sich in unserer gemeinsamen Welt nicht aus, mein Lieber. Was man einst verflucht, kann einen stark machen und in Segen sich verwandeln. In ihrer Art einzig seiende Menschen fallen einfach aus der Masse heraus, wie sie auf den Füßen landen und nicht schmerzhinterig, das muß leider jeder selbst herausfinden, deucht es mich.

        Nun nachlesende Grüße, Ihre Immernochgernstarchivarin.

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