Der Schlüssel und das Schloß

Und da sitzt du jetzt an deinem Arbeitsplatz, fragst dich, ob es wirklich “dein” Platz ist, ob es denn sein muss, sein kann, dass du noch Jahre, Jahrzehnte hier an diesem oder irgendeinem anderen “Platz” sitzt und darauf warten wirst, dass es vorbei geht. Vorbei, mit dem Grüßen von Denjenigen, die dir nichts bedeuten, vom Führen von Gesprächen, die dünner sind als die Luft, vom Lächeln in Gesichter, die du vergessen hast, kaum, das sie an dir vorübergegangen sind.
Sitzt und denkst und wartest noch ein wenig länger. Überlegst und überlegst und überlegst, wo woanders ist, wo das Woanders ist, das besser ist, dass dir mehr bedeutet; dass, zu dem du mit dem guten Herzklopfen gehst, dem, das freudige Aufgeregtheit bedeutet, dass dich Lächeln macht, das Lächeln, dass du nicht vergisst, weil es in deinem Gesicht verbleibt und nur langsam vergeht.
Sitzt und denkst und dann fällt dir auf, dass du nicht fühlst, dass du zwar Gedanken denken kannst, aber außer dem Stahlband um deine Brust nichts wahrnimmst, fühlst, dass der Zugang zu diesem tiefen Brunnen, der gefüllt ist mit warmen, weichen und unendlich süßem Honig, verkeilt, verrammelt und dick gepanzert verschlossen ist und den Schlüssel, ja der den Schlüssel, den hast du schon lang nicht mehr, der ist irgendwo vergraben, vermutlich verrostet und selbst wenn du ihn wiederfinden würdest, dann kannst du jetzt schon das Knacken und Brechen hören, dass dem Schlüssel in dem Schloß den Rest geben wird, wenn er in Splitter zerbricht, die wenigstens noch Scharf sein werden und dich schneiden werden und ein wenig Gift in deinem Blut hinterlassen werden, gerade genug, dass es dir eine Lehre sein wird, ja nicht noch einmal auf die Suche zu gehen, nach einem passenden Schlüssel.

 

2 Gedanken zu “Der Schlüssel und das Schloß

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