downward spiral

Der Herr Reznor hat diese bedauerliche Tatsache schon vor vielen Jahren als Titel seines Albums in Worte gefasst…

Die Abwärtsbewegung…

Und wie es sich für eine Bewegung gehört, die abwärts führt, auf einer sich verengenden Kreisbahn, nimmt das Momentum zu. Unaufhörlich und ziemlich unabänderlich.

Das “ziemlich” schreibe ich, um einen kleinen Spalt in der Tür offen zu halten, der Tür, die zu einem Ausweg führt.

Dem Ausweg, der in so weiter ferne liegt und völlig im Unklaren lässt, wie der denn so aussehen könnte, der Ausweg.

Bleibt die unbeantwortbare Frage, was sich denn am Ende dieser Abwärtsbewegung befindet?

Da gäbe es einige spannende Optionen, die vom Exitus über das Erwachen und alles, was sich so zwischen diesen Polen befindet, reichen.

Jetzt mal die dicken Brocken:

Nehmen wir mal den Haufen Existenz, der man so ist. Mit all seinen Ecken und Kanten und mit den Jahren auch Rundungen und Beulen und Narben und den Abgründen, oh ja, den Abgründen… Das ist doch spannend, dass es stets der Blick nach unten ist, der so viel mehr Details Preis gibt, als das Starren in die Ferne, nach oben.
Da vorne, oben sind Schleier und Nebel und ganz da hinten eine fahle Sonne, die dann später von einem Mond abgelöst wird, dessen gebleichtes Knochenlicht auch nicht gerade für die Freude und das Lachen, sondern eher für bange und durchwachte Nächte steht.
Die grünen Wiesen, die zwitschernden Vögel, der Frühling, Knospen, Blüten, Farbenpracht und all das überirdisch Schöne, das sind noch Gedanken, ein wenig verweht und verschwommen, Erinnerungen aus weiter Ferne..

Und dann die Erkenntnis, dass die Rahmenbedingung, auch die, die man sich möglicherweise selbst geschaffen hat, dass dieser Rahmen nicht aus leichtem Holz, das gern mal bricht, geschaffen ist, sondern mehr die Beschaffenheit von Stahl hat, mehr ein Mantel als nur Begrenzung, und ein Mantel, der, das Alter und der Blick an sich herunter bringt es so mit sich, ein Mantel, der zu knapp, zu eng, geradezu beklemmend ist. Nur der symbolische Wurf dieses Mantels in die Sammlung oder den Müll, da hinkt der Vergleich, da wird es kompliziert…

Es lässt sich gut abschweifen, in einem Sumpf, dessen Begrenzungen man aus den Augen verloren hat, in den ursprünglich nur ein paar Schritte gesetzt werden wollten, um mal zu sehen, was es da so zu sehen gibt… Und jetzt wankt der Boden und der Schritt sinkt tief und von der eigenen Schwere freigesetzt steigt alles andere als Wohlgeruch aus den tiefen Spuren.

Wärs ein Buch, in dem ich all das lesen würde, dann hätte ich das spätestens jetzt weg gelegt, es zu den Unlesbaren dazu gestapelt, die dann langsam den muffigen Geruch des feuchten Kellers annehmen, in dem sie ihr trauriges Dasein fristen.

So lege ich nur die Geschichte ab, an einem Ort, an dem sich auch nur darauf wartet, vergessen zu werden.

3 Gedanken zu “downward spiral

  1. Ich versuche, auch im Dunklen immer das Schöne und lebenswerte zu finden. Der Mond steht für mich nicht nur für durchwachte Nächte, sondern hat auch etwas sehr In-Sich-Ruhendes und auf seine Weise ästhetisches, mystisches, ungreifbares. Und seltsamerweise hat der Mond mich vor einer Weile daran erinnert, dass ich einfach nun mal da und Teil der Welt bin und hier atme und rumlaufe. Obwohl er mich in keiner Weise schützt, so hatte er doch in seiner fernen Gleichgültigkeit etwas sehr beruhigendes. In der Nacht schrieb ich meinen ersten Song. Ich glaube, dass es überall etwas gibt, was man für sich nutzen kann, woran man sich nähren kann. Aber ich weiß auch, wie schwer es sein kann, das zu sehen oder selbst wenn man es sehen kann, es tatsächlich zu nutzen.
    Ja, die Abwärtsspirale … sie geht abwärts und scheinbar unbeeinflussbar, denn es ist ja eine Spirale, die kennt nur einen Weg, aber da wir noch nicht unten angekommen sind, wissen wir nicht, was dieses Unten ist. Man könnte meinen, es sei der Tod, aber irgendwas sagt mir dass er nicht dieses Unten ist, der Tod kommt eher irgendwo in der Mitte und reißt uns aus dem Prozess, in dem wir uns gerade befinden. Ganz gleich, ob wir uns den Zeitpunkt ausgesucht haben oder nicht.
    Keine Ahnung ob das hier überhaupt angebracht ist, aber meine Assoziation mit der Spirale nach unten ist nicht als ein Sinnbild für Depression … Das wäre eher eine flache Spirale die immer enger und enger in ihre eigene Mitte kreist und sich nicht im Raum bewegt. Eine nach unten gerichtete Spirale hat für mich an sich schon etwas hoffnungsvolles weil sie sich fortbewegt, trotz ihrer spiralenartigen Bewegung. Sie wagt sich tiefer und tiefer, vielleicht ins Unbewusste, vielleicht in die Dunkelheit der Gedanken, vielleicht wird sie auch dort verschluckt, vielleicht geht sie dort verloren, vielleicht findet sie aber auch etwas, was ihr einen Grund gibt, den eigenen Weg wieder zurück zu gehen und an die Oberfläche zurück zu kommen.

    Alles Liebe!

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  2. Depression ist nur ein anderes Wort für Erkennen und sich mit dem, was ist, auseinander zu setzen.
    Dieses Bild des Bedrückten, das trifft ja nur zum Teil zu.
    All dies, was so geschieht, was mit einem geschieht und um einen herum, das lässt einem die Möglichkeit, es zu ignorieren oder einzutauchen, abzutauchen in den Gedanken, in der Wahrnehmung.
    Dort „unten“ ist mit Sicherheit Kreativität und Emotion und alles zwischen Sturm und Stille.
    Nur einsam ist es da zu oft, denn wer mag da schon mitgehen, wenn man schon selbst kaum dort hin mag.
    Danke für deine Worte, die öfter als ein mal gelesen werden wollen.

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  3. Für mich ist die Depression selbst nicht das Erkennen … sie mag einen nur so tief runter ziehen dass man gezwungen ist mit dem Erkennen anzufangen. Die Auseinandersetzung ist für mich eher der Weg aus der Depression raus und die Kreativität eine Kraftquelle die die Bewegung aus dem Stillstand heraus erst möglich macht. Zur Einsamkeit in der Spirale habe ich mal ein Gedicht geschrieben, vielleicht magst Du es ja lesen:

    Spirale.

    ein Schwindelgefühl
    dann kippst du (hinein)

    hast du Angst?

    schwarzweiche Lufthöhle
    ein offenes Maul
    zeigt die Farbenstürme
    die sie zusammenhalten

    Geräusche
    haben hier keinen Platz

    hast du Angst?

    du bist Licht
    oder erstickt es dich hier?
    Treibsand
    ist meine Lichtquelle

    Vorsicht, mein Funken
    Angst – er zieht dich an.

    Sei besser
    nicht in mir
    wenn ich dich fürchte.

    (25.06.14 01:32)

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