30 Jahre Resturlaub – ein Essay

Gelegentlich, wenn die Laune zu gut wird, denke ich über das Leben nach, nicht den Tod. Muss ja auch mal sein. Ist ab und an ganz erfrischend.

Dann kommt da wieder dieser Punkt, an dem ich das Alles hier hinterfrage, den Job, das Arbeiten an sich, das Existentielle, vor allem die Angst, die sich um die Existenz an sich dreht.
Das etwas größere Fass also, dass ich da aufmache.
Der Unterhaltungswert, über Alternativen nachzusinnen ist hoch, der Realisationswert bedauerlich gering.

Ich schreibe über Alternativen des Lebens, nicht zum Leben.
Und so prokrastiniere ich vor mich hin, dem Eichhörnchen gleich, von Baum zu Baum, bzw. Thema zu Thema springend, das Prokrastinieren an sich genießend, weil, gibt es Schöneres als nichts zu tun?
Ja, nichts tun und davon leben können, ist die ideale Antwort.

Ich bin Arbeitgeber, weil ich Arbeit gebe und dafür einen mehr oder weniger gerechten Lohn erhalte.
Der andere, da am Ende des langen Tisches, der Fette da, mit der stinkenden Zigarre, das ist doch der Arbeitnehmer, nimmt er doch meine Arbeit und schiebt fluchend ein paar Kröten in meine Richtung.

Allein, dieses Verdrehte, dieses Verformte, dass da seit Anbeginn der modernen Arbeitswelt verdreht in meinem Kopf herumschwirrt, dieser irre Irrtum, was sollte er auch sonst sein, als irre? Allein, diese Verdrehung macht mich, den kleinen Schuftenden, ok, ehrlich gesagt, meistens Prokrastinierenden zum Bittsteller für das Entgelt.
Weil ich doch, ja, was, ich habe die Übersicht verloren, Arbeitirgendwas bin, der raffgierig Geld will.

Aber im Grunde will ich dieses Verhältnis zwischen Geldgeber und Geldnehmer gar nicht.
Ich will 30 Jahre Resturlaub, ach, was sage ich, schreibe ich, 50 Jahre Resturlaub.
Dem Einen oder der Anderen mag es grauen, bei der Vorstellung bei vollem Lohn und Brot Zuhause versauern zu müssen.

Für mich, das Paradies auf Erden.
Ich habe keinen Garten, um den ich mich kümmern mag, man sieht es ihm an, keine Töpferscheibe, auf der ich den ganzen Tag phallische Tontürme formen würde, kein Bedürfnis nach dauerndem Reisen und Unmengen von Geld für zu enge Sitzreihen in Flugzeugen auszugeben.

Alles nicht notwendig, alles Verschwendung.
Ich will meinen Resturlaub, ein Glas Wein in der Hand, die ölige Vorspeise auf dem Teller, in der Hand, im Mund und gut ist es.

Ein wenig Musik, ein wenig Schreiben, ein wenig den Fotoapparat herumschwenken, später dann wieder das Glas Wein schwenken und ab und an ein erquicklicher kleiner Diskurs im Lokal meiner Wahl.

Für mich die Lösung. Ich könnte das. Tagaus, tagein.
Arbeiten ist für Anfänger, Lebensverweigerer, Einsteiger.
Ja, ich höre schon die Worte, dass es doch auch schöne Dinge gäbe und man die doch einfach tun solle, für seinen Lebensunterhalt.
Ich bin dabei!
Ich bitte um den Resturlaub bei vollem Lohn fürs Prokrastinieren.

Ich müsste das nicht mal tun, ich will im Grunde gar nichts aufschieben, weil, das macht ja schon wieder ein schlechtes Gewissen und das Nichtstun, bzw, der Genuss des wohlverdienten Glases Wein soll doch nicht mit Missstimmung verdorben werden, nicht wahr?

Nun mag, ja ich denke auch an den und die Leser, so mancher, der das hier gerade überfliegt, meinen, ich beliebe zu scherzen.

Es ist mir ernst. Sehr ernst.

Jaja, da oben steht irgendwo das Wort “Essay”, ein Wort, das Wikipedia mit geistreicher Abhandlung erklärt, die ich zumindest hier abliefere.
Ja und da schreibt Wikipedia auch das Wort subjektiv hinzu.
Ich empfinde das als überängstlich, gäbe es doch Königreiche, in denen mein Wort Gesetz sein könnte und da soll mir mal einer kommen, mit subjektiv, nachdem ich mein Volk in die Freiheit des Nichtstuns entlasse, bei vollem Lohnausgleich.

Was bin ich dann? Arbeitgeber? Eher nicht. Wohltäter? Subjektiv.
Mir eigentlich gleich.
Hauptsache, ich muss mich nicht mit Geschäften herumschlagen, der Wein wartet.
Guten Abend.

Realität

va-bene: hemmungslos gut…

va-bene in Fischen, Freitag Abend, Ruhe und Vorfreude…
Die Qual der Wahl.
Eines ist sicher:
Ich will Genuss…

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Ein Glas Franciocorta, kühl und fruchtig, leitet den Abend ein…
Ich muss mich zurückhalten, muss noch fahren.. Ganz so fatalistisch bin ich, trotz gelegentlichem Bemühen doch noch nicht.

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Vorspeise Carpaccio,
aber was für eines.. Mit Jakobsmuscheln..
Hatte ich erwähnt, dass ich für die kleinen Dinger schwärme? So richtig?
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Hauptgang: Zander.. Irgendwo zwischen Gedicht und Geschmacksnirvana..
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Die angenehm saure Marinade passt so gut zum Fisch.. Mehr Wein!
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Nur Weniges vermag mich so zu begeistern, wie der Genuss des Gaumens.
Ich staune immer wieder über neue Nuancen.
Ich habe diese Möglichkeit, mir unfassbar guten Geschmack zu bescheren und davon mache ich reichlich Gebrauch… Would not want to miss it..

Dessert: Apfeltarte.. ich schmelze.. Todsünde. Völlerei… egal, es ist so gut.
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Wie so oft schon, das va-bene ist einen Besuch wert.
Die Karte vermag wieder und wieder zu überraschen und der Vorrat an gutem Wein scheint nicht zu versiegen.
I like it.

Neues aus der Marketingabteilung der Wurstwarenfabrik

»Sodala, da haben wir es, die neueste Auswertung aus der Marktforschung.
Neue Business Opportunities warten auf uns!

Wir haben aus der Meinungsforschung eindeutige Signale bekommen.
Wir brauchen mehr Bio.

Und die Veganer, Leute, ich sag euch, da springen uns zu viele ab.
Und wenn wir auch die, die über eine gefestigte Meinung verfügen nicht mehr abholen können.
Für den Wechselfreudigen haben wir ein paar grandiose neue Produkte am Start.

Noch eine Wurstsorte mehr erträgt der Markt nicht mehr, egal ob Wurst mit Käse gefüllt, oder Wurst im Speckmantel oder Wurst im Schlafrock. Wir sind durch mit der Diversifikation.
Wir müssen auf zu neuen Ufern.

Und hiermit rufe ich das neue Zeitalter aus.
Biowurst, neu definiert. Die Wurst als und im Milchprodukt.
Wurst als Dessert oder kleinen Haps nach dem Abendessen, oder auf dem Frühstückstisch, neben Ei und Kaffee.

Ich will euch nicht länger auf die Folter spannen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen.
Hier beginnt eine neue Ära.

Der Wurstjoghurt!

Wir fangen an mit Currywurstjoghurt mit, und ich bitte da um Applaus, mit ja, wir haben uns da nicht lumpen lassen.
Mit echten Fleischstückchen.

Na?
Ist das was?
Das ist doch was.

Die Kampagne wird noch größer als damals, als wir über das 6er Glas raus sind.

Holt mir den Schweiger oder den Ulmen.
Macht mir da was Großes draus.
Ich will den spätestens in zwei Wochen das Joghurt löffeln sehn.
Und der soll nicht wieder so verkrampft schauen, wenn er sich das in den Mund schiebt.
Schreibt dem nen ordentlichen Scheck, das er was zu lachen hat.
Und als Musik was indisches.

Und wenn wir das im Kasten haben, denken wir über das Nachfolgeprodukt nach.
Wurstkekse zum Beispiel, knackig und würzig.
Und damit die Biofritzen sich freuen, machen wir ne Dinkelmischung.
Das will ich in spätestens acht Wochen im Biomarkt sehen.
Haben wir uns da verstanden.
Ruft die Verres an oder wegen mir die dürre Neubauer.
Macht’s was! Dann wird’s was!
Mahlzeit!«

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Kaffee und Lesen

Klick mich an, um mich in groß zu sehen!

Handlungsanweisung: Wohl fühlen!

Selbstversuch #37
Belohnung.

Weil Du es Dir verdient hast.
Und schon alleine dafür, dass Du es gewagt hast.

Geh’ raus und tu es für Dich.
Geh‘ Essen, geh‘ gut Essen.
Tu es alleine.
Weil Du im Grunde nie wirklich alleine bist.
Weil vielleicht irgendwo jemand an Dich denkt.

Und wenn nicht?
Schmeckt das Essen dann schlechter?
Ist es schlechter zubereitet, als wenn ganze Heerscharen für Dich im Chor erschallen? Kaum.

Gönn‘ es Dir!
In einem Monat ist es Dir egal, was Du dafür ausgegeben hast, da bleibt nur die Erinnerung an den Genuß. Und die zählt.

Sellerieweißweinsüppchen mit Wildschwein in Cranberrykruste.
Thunfischsteaks auf Orangenrisotto.
Chardonnay.
Wohlsein!

Sitz‘ zwischen Familien und anderen Gesellschaften als kleiner Fixstern der Zufriedenheit.
Lass Dir den Wein empfehlen und beschreiben. Genieß ihn, Schluck für Schluck.
Erfreu Dich an der Aufmerksamkeit Deines Kellners. Vertrau ihm, er weiß, was gut für Dich ist.

Im Grunde sollte jeder Tag ein Neuanfang sein, so wie der Heutige.
Dann wäre vieles einfacher.