Die Präsenz des Todes.

Die Nähe, das Bewusstsein, dass er immer näher kommt.
Er langsam und stetig sich zu seiner wahren Größe errichtet und einem Riesen gleich, den Weg und die Sicht versperrt, auf das was hinter der nächsten Biegung liegt, die mehr und mehr außerhalb der eigenen Reichweite liegt.
Bud Spencer, Manfred Deix, Prince, Bowie, Bernie Worrell, der irre Keyboarder aus Stop making Sense, dem noch immer besten Konzertfilm (sorry Prince, sorry LCD Soundsystem) und so viele andere, die nun nur noch Vergangenheit sind.

Ich weiß um das Alter meines Vaters, dem Letzten und Einzigen, der noch Bedeutung hat in meinem Leben, wenn es um Familie geht.
Und diese Unausweichlichkeit, die Schwärze der Gedanken, ist eine Schlinge aus Kuhzaun, die sich enger und enger um einen schnürt und den Schmerz als Vorgeschmack, auf das, was kommen wird in die Haut reißt und tiefer dringt und schnürt und schnürt.

Er ist ein ungeliebter Gast, dieser Tod, er kommt zu den unpassendsten Gelegenheiten und seine Hinterlassenschaft ist Säure, die sich durch alles hindurchfrisst, ätzend und giftig.

50 Jahre und kein Verlust, der mir nahe gegangen ist, weil niemand von mir gegangen ist.
Aber, wie der weise Tyler Durdon gesagt hat “on a long enough timeline the survival rate drops to zero”, Irgendwann ist es vorbei und mir graut davor, diese Erfahrung machen zu müssen. Mir graut.

Alle, die schon gegangen sind und noch gehen werden, rufen Erinnerungen, Gefühle und längst Vergessenes wieder wach und nicht alles ist gut, was da unten tief verborgen liegt, hinter Türen, deren Riegel schwer und voller Schlösser sind.
Aus gutem Grund. Der Tod, dieser Einbrecher und Schloßknacker, der ungebetene Fremde im eigenen Haus, ihm ist es gleich, was da nach oben steigt, wenn keine Türen und Schlösser die Verließe verriegeln.
Ihm ist es gleich, mir graut es.

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Wortspiele

Ungelenk.
Ohne Übung.
Da war dieser kleine Laden, ein Schuhgeschäft, handgemachte Schuhe, geschnürt, mit Bändern, Leder, Haihaut, Büffel.
Und dass es Büffel ist, musste ich erfragen. Ich hatte nur dieses dicke Stück Leder gesehen, angenommen, es sei geklebt, geschichtet, kam nicht auf den Gedanken, dass das ein Organ sein könnte.
Immer das größte Organ; die Haut.
Es sei Büffelhaut, meinte die kleine zierliche Frau. Dass sie klein und zierlich und sehr zurückhaltend war amüsierte mich sehr, gab es da doch ihren Mann, ein beinahe zwei Meter Kerl und mir an Körperumfang und Haarpracht und vermutlich nicht nur an der, weit überlegen.
Ein Riese, Mitte 50, in Trachtlederhose und Haaren, die zu einer Sumoringerhaarpracht geflochten, ihn so entrückt und fern des Konformen wirken ließen, dass es ein Vergnügen war.
Und so lebten die Beiden in diesem kleinen Schuhladen, hinter dem Patentamt, ein Laden der nur wenige Schritt in Breite und Tiefe maß und dennoch den Schuhen, dem Gehen gewidmet war.
An der Wand, die Haut. Daumendick, für mich nicht erfassbar, dass es eine Haut war, nicht Schichten davon.
Dem Büffel dürfte zu Lebzeiten nicht beizukommen gewesen sein, außer mit drastischen Mitteln.
Es gab auch Geldbeutel aus Ochsenhoden. Das nächste Mal kaufe ich einen. Und das Wort Elefantenhoden darf ich, wenn es nach der kleinen, zurückhaltenden Frau geht, niemals in Gegenwart des Riesen aussprechen. Das habe ich mir gemerkt.

Ungelenk.
Ohne Übung.

Im Versuch, die Gedanken zu sammeln, zu schreiben, es nieder zu schreiben und dann der Gedanke, das Niederschreiben wie Ringen ist, ringen mit Wörtern, flüchtigen Gedanken, dem Versuch, sie in den Griff zu bekommen und dann: Niederringen, Niederschreiben.
Nieder, nieder, nieder, immer drei Mal, sonst hat es keine Wirkung.
Was für ein merkwürdiges Wort. Ich rolle es hin und her, versuche, es zu fassen zu bekommen. Niederschlag.
Klingt nicht nach meinem Wortfavoriten.

Und hüpf’. Der Wortfavorit. Welcher könnte es sein? Ein Lieblingswort, das kein Name ist, nicht Isla. Weil Isla eben statt einer Insel auch ein Name ist und mein krudes, spontan ersonnenes Regelwerk verbietet Namen. Also auch nicht Seraphina, obwohl ich den auch wirklich schön finde.

Regen, das ist ein schönes Wort, Regen, weil er warm sein kann, weil er so schön die Haut berührt, im Sommer, im Schauer. Weil er das Hemd durchweicht und so herrlich an einem kleben lassen kann.
Regen mag ich. Die Abkühlung, das Spüren. Das Lachen im Regen. Das gefällt mir.
Also Regen. Viel schöner als Niederschlag.
Und noch immer ungelenk, noch immer ein wenig unter Schmerzen.
Schmerzen sind gut, zwingen zum Handeln. Oder sich darin suhlen. Das kann auch heilend sein. Schmerz heilt. Gelegentlich.

Worte heilen, heilen Ungelenkes.
Wortspiele.

Setzkasten

Die pure Freude …

steht mir ins Gesicht geschrieben, ob der lange erwarteten Nachricht, dass es Nachschub gibt.
Mitbloggerin, Weggefährtin und Freundin Candy Bukowski hat ihren neuen Roman „Wir waren keine Helden“ veröffentlicht
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Ich lasse los – die Helden sind frei

Der Titel erscheint am 1.7.16 als Hardcover & eBook überall im Handel.
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und ansonsten im Buchhandel!

Ich freu‘ mich darauf, es in den Händen zu halten, denn bestellt ist es schon längst…

Brief an einen Fremden

Guten Morgen Fremder,

ach, der liebe Gott, den habe ich schon lange aus dem Sinn verloren.
Das mag ein wenig mit der Tatsache zusammenhängen, dass ich mit 16, 17 zu viel Existentialisten gelesen habe, Sarte, Camus.. etc…. Da gibt es diese eine Geschichte „das Spiel ist aus“ von Sarte, in der ein Mann nach seinem Tod während einer Revolte, die er angezettelt hat, vor die Wahl gestellt wird, sich dieses mal für das Leben und die Liebe zu entscheiden und er, Idiot, der er ist, wählt wieder den Krieg, weil er weiß es besser, er hat die Kontrolle und „nur noch diese eine Sache“, dann ist er frei für die Liebe und zack, peng, ist er wieder tot und diesmal bleibt er es auch…. Geschieht ihm recht…

Ich war immer der Ansicht, ein jeder und vor allem ich, macht sich seine eigene Hölle auf Erden. Ich habe es in der Hand, was geschieht und die Folgen trage ich und Glauben ist Flucht und Verweigerung des Selbst und der Kontrolle, die ein jeder hat.

Warum gibt es Armut und Hunger? Das ist nicht „gottgewollt“. Das sind die Folgen einer gierigen Weltwirtschaft und wir alle sind ein Teil davon… Mit jedem Mobiltelephon, das wir haben, fördern wir die Armut in den Gebieten, in denen die Materialien aus dem Boden gekratzt werden….
Mit jedem T-Shirt oder Kleidungsstück, dass wir an uns tragen, treiben wir Menschen in die Armut…
Weil wir unseren Wohlstand auf Kosten der Schwächeren leben und tagein tagaus predigt uns die Werbung zu konsumieren und brav, wie wir sind, machen wir da mit…

Gott exisitiert nicht. Es existiert mehr, als wir sehen, das anerkenne ich. Was das ist, weiß ich nicht, aber auf sicher kein Jesus und kein Allah… Alleine die Tatsache, dass wir einen Gefolterten, Blutenden, Gequälten anbeten, lässt tief blicken. Wir umgeben uns mit Symbolen der Folter und des Blutes. Nein danke.

Buddhismus ist kein Glaube, eher eine Weltsicht. Aber die Tatsache, dass da ein dicker und lächelnder Mann friedlich sitzt, im Frieden mit sich, das gefällt mir um ein Vielfaches mehr, als die Mär von Kreuz und Blut und Nägeln durch Hände und Füße….

Ich gehe raus und sehe den Tag anbrechen, in all den schönen Farben und das ist real und niemand kann mir das nehmen und das ist gut so.

Und trotzdem bin ich ein schlechter Mensch, der nur schlau daherredet, bin ich eigensinnig, egoistisch, gelegentlich jähzornig und menschenverachtend (das zumindest bin ich meistens…)

Für mich ist das zu schreiben auch ein Stück weit Reflektion und vielleicht auch Therapie.
Lässt aber für mich immer die Frage offen: Wer bin ich? und viel wichtiger: Wer mag ich sein? Wer kann ich sein?

Das ist wichtig. Nicht ein neues iPhone, nicht Familie, nicht in Urlaub fahren und tolle Selfies machen, nicht Fasching oder Silvester feiern, ins Fußballstadion, auf das Oktoberfest, besoffen in der Menge, damit ich ja nicht, auf gar keinen Fall zur Ruhe komme und nachdenken kann, bloß nicht Nachdenken, bloß nicht… das könnte weh tun und schwierig sein….

Ich muss denken und reflektieren und handeln. Alles andere ist Nebensache.
Das ist meine Religion.

Und fragst du mich jetzt, warum ich das alles schreibe, ich weiß es nicht. Weil der Tag gerade anbricht, ich mal wieder alleine bin und hier ein Sprachrohr ist, in das ich hineinrufen kann.
Weil manchmal die Gedanken fließen, wenn die Ruhe da ist. Und heute ist so ein Tag….

Alles Liebe
F.

Alternativ

Dann sitzt Du Zuhause vor dem Schirm, liest die Nachrichten, siehst die Bilder, sammelst die Eindrücke, spielst den Schwamm, der das Elend in sich aufsaugt und speist es angewidert aus, kannst es nicht mehr sehen, nicht mehr hören. Siehst den dünnen Schwarzen auf dem Fahrrad, denkst an den Sarotti Mohr, der in Haidhausen noch immer eine Fassade ziert, denkst an die Initiative zur Demontage des alten Schildes aus den Fünfzigern, die sich noch immer nicht konstituiert hat, denkst, dass es nicht mehr lange dauern wird, schon überfällig ist. Nimmst all das wahr, schaffst es noch immer nicht, all das gänzlich auszublenden und wendest dich anderem zu, hoffend, dass das zum Ziel, der Ablenkung, dem Kreisen um sich selbst, den eigenen Bedürfnissen, dem Drang nach Frieden und Entspannung dienen wird. Denkst und beobachtest deine Gedanken, wie sie beginnen, darum zu kreisen, was nun andere sagen und tun würden, ob und wie sie dich verurteilen würden, ob deiner Ignoranz, deiner zur Schau getragenen Ignoranz. Weil du kein Gutmensch und kein Wutbürger und kein Demonstrant, nicht für die eine und nicht für die andere Sache, welche auch immer das gerade sein mag, bist, weil du dir weder den Schädel glatt rasierst, noch im schwarzen Kapuzenpulli, noch im Strickkleid für die Rechte von irgendwem eintreten wirst. Weil die Zeit dir zu schade und die Motive zu unklar sind, weil Überzeugung dir nicht widerfahren ist, weil es eben nicht so einfach ist, in Konsequenz einen Standpunkt zu vertreten, weil dann lieber gar kein Standpunkt und noch eine Flasche Wein, vom guten Roten, so lange er noch fließt, so lange du ihn dir noch leisten kannst, so lange es eben geht und dann kommt das Kürzertreten, das Enthaltsame, die kleinen Freuden, bis dann auch die aufgebraucht sind und dann kommt nichts mehr, Schwärze, der Abgang, das Finale und dann war es das auch schon mit der eigenen Existenz und was dann bleibt, spielt auch keine Rolle mehr. Dazwischen ein paar gute Tage, Wochen vielleicht, Momente sicher viele und die Erinnerung daran und das daran Festhalten und ein klein wenig sich selbst Leid tun und ein ganz viel über all das nachdenken und immer versuchen, nicht jedem Stöckchen hinterher zu laufen, dass von rechts und links und vorne und hinten auf dich zu geworfen wird. Ich und du musst es nicht fangen und während du dich nach dem Glas Wein beugst, fliegt es an dir vorbei und vielleicht ist da ein Hund oder eine Katze, die das gerade spannend findet und das ist dann auch gut.

Erkenntnisse

Und da gehst Du in ein Seminar und bekommst als erstes die Aufgabe, etwas über dich zu sagen. Einige Minuten zur Vorbereitung, eine kleine Karte deines Lebens anzufertigen und weitere fünf Minuten, um dich zu präsentieren. Und dann brütest Du über dich und dein Leben und was es Relevantes zu sagen gibt, denkst über das nach, was die anderen wohl so erzählen werden, denkst und weißt, dass es nicht wichtig ist, sich an den anderen zu messen. Du nutzt die Gelegenheit, die willkommene Gelegenheit, das, was dich ausmacht, Revue passieren zu lassen. Einige Minuten sind genug dafür, für das, was Du Preis geben willst, nimmst es und schreibst es auf und dann trägst du es vor und nach zwei Minuten bist Du fertig und das ist gut so und Du weißt, dass es richtig ist, sich gut anfühlt und deshalb richtig ist. Du könntest dich jetzt bemühen und das auf eine Minute reduzieren, könntest genau so fünf oder zehn daraus machen oder einen Tag, eine Woche, könntest alte Manuskripte, alte Gedanken herauskramen und darüber reden und doch genügen im Grunde die zwei Minuten, um den Kern frei zu legen, das, was wichtig ist, das, was Du Preis geben möchtest, wozu Du stehst. Es wäre kaum mehr geworden, wenn es die letzten Minuten gewesen wären und das ist gut so. Du hast lediglich die Liebe und die Werte unterschlagen, aber die gehören Dir und die sind Du und das ist Eines und das wissen die, die es wissen müssen. Über das Leben und den Tot hast Du schon viel und noch immer nicht genug nachgedacht und auch das ist gut so, weil es ist nie genug. Da ist die Gier, nach dem Leben und die ist gut, weil irgendwann ist es vorbei und irgendwann bleibt nur noch https://foodandwineporn.de/2014/10/20/tatowierung/ das und das ist dann nicht viel und vorher sollte schon ein wenig was gewesen sein.