Go, Fuck Yourself, 2017

Geh zu Hause und mach Platz für das glorreiche 2018, das Jahr, in dem die kommende Altersarmut wieder ein Stückchen näher kommen wird.

Das Jahr, in dem der Druck wieder einmal ein wenig zunehmen wird und die Last ein wenig schwerer, dafür aber auch der Berg, den es zu erklimmen gilt, ein wenig steiler und der Weg etwas schmäler sein wird. Juchu.

All das und so viel mehr, was dem einem oder anderen, mir auch ein wenig zum Jahreswechsel in den Sinn kommt und all das nur, weil die eigene Fähigkeit zum Widerstand, dazu, dem etwas entgegen zu setzen, noch immer nur kümmerlich ausgeprägt ist.

Gut in Erkenntnissen, lausig in Konsequenzen, So lässt sich das zusammenfassen.

Die ausgeprägte Schonhaltung ist der Stillstand, in dem die Einflüsse von außen, so dezimiert, gerade noch ertragen werden.

Gelegentliches Aufbäumen und um sich schlagen einmal ausgenommen.

Die Uhr am Handgelenk hat nur eine kleine Anzeige, die von 31 auf Eins wechseln wird oder vermutlich vorher schon stehen geblieben ist, da sie nur durch Bewegung zum Weiterlaufen animiert werden kann und das wenige Zucken und Hochschrecken im Schlaf würde da nicht genügen und dazu kommt noch, dass sie ihr Dasein auf dem Sekretär fristet, auf den Arbeitstag wartend, um wieder angeschnallt zu werden. Also selbst dieses Ereignis wird dort entweder nicht oder nur unbeobachtet stattfinden.

Darüber sinnierend, was 2018 wohl zum Besseren gewendet werden kann, setzt das Erkennen ein, dass Antworten dazu noch in weiter Ferne sind.

Dabei dann Rat im Außen zu suchen hat bis dato nur wenige Früchte getrieben, aber für das Wenige ein Danke. Immerhin.

Jemand sprach von Kuscheln und Knutschen, nicht anlässlich des unseligen Jahreswechsels, mehr so ganz allgemein als Lösung und Wunsch, dadurch Wohlbefinden zu erlangen. Ich sehe da durchaus Perspektive. Es ist wohl die Essenz des Seins, sich da Gutes zuzuführen, wo es noch möglich ist und durch das Kleine etwas Größeres zu bewirken. Ein Lichtstreif, ein Schimmer. Immerhin.

Go, Fuck Yourself, 2017

No one here gets out alive

Irgendwann kommt dieser Punkt, an dem, zumindest biologisch und, es steht zu befürchten, auch mathematisch, der Scheitelpunkt, die eigene Halbwertszeit, überschritten ist und das Maß der zur Verfügung stehenden Zeit abnimmt. Weiterlesen

Bilanz

Bilanzen werden gezogen.
Sie wiegen schwer, aus Papier gemacht und doch wie Blei in den Taschen derer, die sie herumtragen.

Gezogene Bilanzen gehen weite Wege über Felder, durch enge Gassen, wo Mauern sich eng zueinander beugen. Dorthin, wo es finster ist.
Nicht selten landen sie in kleinen Läden.
Dort sind die Plagiatoren, die Fälscher.
Mit feinem Strich, mit ruhiger Hand gehen sie ans Werk.
Überdecken, was sich tief in die Leinwand gegraben hat. Bessern aus, was nicht gesehen werden soll.
Geschichten, die sich von selbst in grellen Farben ins Weiß gemalt haben.
Mit scharfer Feder ins Papier geritzt.
Sorgfältig ausgebessert, übertüncht, die Narben nur noch als flache Kanäle zurücklassend.

Bilanzen müssen Wohlgefallen auslösen, nur schöngefärbt sind sie erträglich.
Verziert, übermalt, Namen vertauscht, Orte geändert, Handlung verzerrt.
Graphen geschönt, Werte nach oben gerundet, Verluste gestrichen.

Ganz hinten in einer Kammer, verborgen vor der Neugier, verborgen vor sich selbst. Die Schlösser verriegelt, die Schlüssel im tiefen Brunnen versenkt. Hinter schweren Türen ruht Wahrheit, darf nicht Teil des Ganzen sein.
Im Herzen, im Gehirn, hinter der Stirn, verborgene Reihen mit Ordnern, voll mit Wahrheit. Verleumdungen am Selbst.

Bilanz ist, so ungeschönt, nichts für den Feigen.
Wahre Bilanzen wollen nicht gelesen werden. Nicht vorgelesen, nicht gehört.

drowning