Vermessung des Unendlichen

Nimm ein Maßband, ein gewöhnliches Maßband.
Was immer Du messen willst, stell Dich davor, lege das Band an und beginne eine Kante zu vermessen.
Notiere den Wert.

Nun werde kleiner. Nehme das feinere Maßband und messe erneut.
Erkenne. Was gerade noch eine glatte Kante war, ist voller Unebenheiten.
Du berücksichtigst sie bei deinem Maß nehmen.
Dein gemessener Wert ist größer geworden. Der Weg wurde weiter.

Erneut wirst Du kleiner, überschaust das Areal, die Kante, die Du vorher gemessen hast mit Mühe.
Die Messung wird aufwändiger, der Wert um ein Vielfaches größer als bei Deiner ersten Notiz.

Wieder und wieder tauchst Du weiter ein, dein Kleinerwerden lässt jedes weitere Maßnehmen vom Spaziergang zur Wanderung zur Expedition werden.
Was gerade noch eine glatte Fläche war ist nun ein Land voller Krater und Tiefen.
Verschlungene Canyons, weite Ebenen, Schluchten und das Maßband muss länger und länger werden.

Dein Weg ist noch nicht zu Ende. Du ahnst, wie es weiter geht.
Deine Aufgabe, Maß zu nehmen und zu Erkennen ist nicht vorbei.

Was Du achtlos und nebenbei begonnen hast, wird Deine Aufgabe, Deine Bestimmung.
Längst ist aus dem einfachen Band eine sich endlos abrollende Spule geworden.
Die Zahlen, die Werte müssen in Hochzahlen dargestellt werden, auf der schmalen Skala deines Messinstrumentes.
Was anfangs einen Augenblick dauerte, nimmt nun Tage, Wochen, Monate in Anspruch.

Du gehst, Hunger und Durst, all das Beschwerliche hast Du hinter Dir gelassen. Es hat keine Bedeutung mehr.
Mehr und mehr versinkst Du in dem, was Dir vorher noch Tritt und Halt gegeben hat und Deine Messungen nehmen nicht ab.

Was fest und stabil war ist nun porös.
Du beginnst die Strukturen zu erkennen.
Die, die für den Zusammenhalt sorgen.
Die Basis.
Und Du nimmst Maß.

Abgerissen, ausgemergelt. Immer weiter. Deine Aufgabe erfüllend.
Aus freien Stücken.
Es ist Dein Weg.
Dein Weg in die Unendlichkeit.

Neocube Moebius Band II