100 Worte Hass, circa

Es ist Sommer…

Du mieses kleines Dreckvieh!
Wie viel Gift steckt in Dir?
Wie oft kannst Du mich noch stechen, bevor es, bevor Du verbraucht bist.
Hältst mich wach, zu später Stunde.
Willst mein Leben, willst mein Blut.

Ich will Dich töten, zerschmieren, zerschlagen.
Meine alten Ohren können Dich nicht mehr hören.
Ich nehme Dich nicht mehr wahr.
Will Dich ignorieren.

Doch Du gibst nichts. Nimmst alles.
Raubst mir Schlaf und Frieden.
Erntest Hass und mein Blut.

Dein kleines blödes Hirn,
dem nichts gewahr wird,
das nicht begreifen KANN,
dass Du Dir nur Verachtung einheimst,
noch und nöcher.
Dein Wesen, schwarzgefärbt von meinem Hass.

Wenn ich Dich erwische,
mach ich Dich platt.

Drecksvieh, scheiss Mücke…

Realität – revisited

F. besucht die Realität.
Schaut sich um, guckt in Nischen, hofft, vielleicht etwas spannendes zu finden.
Verweilt, stöbert, zuweilen hebt er auch mal das ein oder andere Ding an, blickt darunter, dahinter und dreht sich weg, macht kehrt und verliert das Interesse. Die Sache mit der Realität ist die, dass sie häufig weniger spannend ist, als man meint.
F. mag die Realität nicht.
Sie ist ein unwillkommener Dauergast, dem nur schwer beizukommen ist und der noch schwerer wieder vor die Tür zu setzen ist.
Lästiges Ding. Das hadern mit der Realität ist ein nicht enden wollender Prozess.
Die Realität ist ein Grobmotoriker, laut, stinkend, voller Ecken und Dornen an denen man sich arg weh tun kann.
Sie macht sich breit, sitzt einem das Sofa platt, lässt einem die paar Sachen im Kühlschrank immer spät am Abend schlecht werden, wenn man sich nur noch mit dem den Bauch vollschlagen kann, was da ist. Da ist sie sehr ungnädig und übrig bleibt dann ein Glas geschmackloses Joghurt und die Erdbeermarmelade hat die Realität flux umgefärbt. Aus rot mach grün. Danke…
F. mag die Realität nicht, entflieht ihr gern, ein Glas Wein, eine halbe Flasche Wein, Musik, die Stunden im Gleichklang und Takt vor sich hin moduliert sind dankbare Gehilfen, da ist die Flucht ein Leichtes.
F. mag lieber die Momente, in denen die Realität Ausgang hat oder schläft.
Jetzt, wo er es besser weiß, wird er sie ruhen lassen und den Schlüssel im Schloss stecken lassen, damit sie endlich mal draußen bleibt.
Soll sie mal sehen, dass es draußen kalt ist und finster, dass soll sie mal erleben, die doofe Realität. So!

daily lama

Passage 2

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Morgenandacht

Zur Zeit fangen die frühen Stunden spät an.
Sie verschieben sich nach hinten.
Ich kann nicht sagen, warum.

Bin ich endlich wach, ist der Tag schon am Laufen, der Morgen vorbei. Die Schönheit des Anfangs verflogen.
Dabei liebe ich den frühen Tag, wenn Stille nur durch leise Musik durchbrochen wird.
Musik, die von sachten Händen auf Klavier erzeugt wird.
Sanfte Strukturen, Musik aus Pausen.

Mein Platz, mein lächerlicher kleiner Arbeitsplatz, mit dem noch lächerlicheren kleinen Hocker, auf dem ich den Tag beginnen lasse.
Gekauert, die Beine angezogen. 194 cm, verteilt vor einem winzigen Sekretär.
Einmal hab ich ein Foto gesehen, von mir, von hinten, sitzend, vor dem Sekretär.
Das sah so erbärmlich unproportioniert aus.
Eine kurze Zeit lang hatte ich Skrupel, mich noch einmal hier hin zu setzen.
Dabei liebe ich den Platz, der Ort meiner Morgenandacht.

Mein Morgenritual, das Starren auf den leeren weißen Fleck auf dem Bildschirm.
Einer Landkarte, der Terra Incognita gleich, unentdeckt, bereit, erobert zu werden.
Loses Gedankenwerk, nicht geflochten, Gestrüpp, nicht vom Unkraut befreit.
Fangen spielen im Kopf.

Nicht zu wissen, was sich hinter der nächsten Biegung verbirgt, dem nächsten Gedanken, ist ein Privileg.
Bob Ross, mein Lieblings TV Maler, er formulierte das Abgleiten des Pinsels als „happy little accidents“
Als Umschreibung für das Um die Ecke Denken wunderbar.
Es gibt keine falschen Gedanken, alles will, alles darf gedacht sein.

Ketten aus Assoziation geknüpft, ein feines Material.
Licht, grau, erwachen, Traum.
Stets im Krebsgang, rückwärts gewandt, im Denken.

Was mich zur Frage führt, in welche Richtung denke ich?
Seitwärts? Vorwärts gewandt oder von vorne nach hinten?
Ungedacht bisher, nicht zu Ende gebracht.
Und Zack, wieder einen kleinen weißen Fleck erobert, zu eigen gemacht.
Schnell, besiedeln!
Fremdes Gedankengut zurückdrängen, durch eigenes ersetzen!
Leitmotiv!


Musik: Tord Gustavson Ensemble – Spiral Song