Tyler says

Aus dem Blogarchiv:

“We’ve all been raised on television to believe that one day we’d all be millionaires, and movie gods, and rock stars.
But we won’t.
And we’re slowly learning that fact.
And we’re very, very pissed off.”

sagt Tyler und er hat Recht, Chuck Palahniuk hat Recht.

Als ich fünf war, hatte Fernsehen noch den Stellenwert des Exotischen, des Aussergewöhnlichen, war ein Privileg.
Etwas was man durfte, kein Gewohnheitsrecht.
Fernsehentzug war eine Strafe, wenn auch keine dramatische, ausser Enterprise lief, oder Bonanza.
Ich hab mich dann mit geschlossenen Augen ins Wohnzimmer gesetzt und versprochen, nicht hin zu sehen.

Lustig,
früher gabs vor Sendebeginn und nach Sendeschluss noch so etwas:
Testbild-ARD-19505

Jeder Fernsehsender hatte sein eigenes Testbild. Nett.
Mein Vater hat mir erklärt, dass wäre für die Fernsehtechniker, damit sie den Fernseher sauber einstellen konnten.
Logisch, nachvollziehbar, früher begann das Fernsehprogramm erst nach 16 Uhr. Da war genug Zeit, vorher, in dem Kasten rum zu schrauben.
ZDF: 17:05 Drehscheibe… Buntes aus Deutschland West…. billige rotierende Sperrholzscheibe mit einem D…
Für mich alles nur in schwarz / weiß.
Bis zum ersten Farbfernseher vergingen Jahre. Irre. Enterprise (sic!) in schwarz / weiß…

Mein mediales Weltbild war geprägt von Hoss, Kirk, Spock und H C Cäsar, dem vorlauten Hasen und natürlich Warner Brother Cartoons.
Täglich eine Stunde, eher weniger.. nach 17 Uhr.. Wenn überhaupt.

Meine wahre Welt bestand noch aus Draussen, Dreck und Schrammen. Das war schön.
Wir sind ohne Helm Fahrrad gefahren, unangeschnallt im Auto gesessen und ohne Schulweghelfer lebendig hin und zurück gekommen. Irres Abenteuer…

Ich wollte nie der nächste Superstarsänger, Dschungelcampdepp oder Containerinsasse werden.
Damals waren solche Formate noch Teil einer Spielfilmhandlung.
Diddi Hallervorden war noch kein oder zumindest nicht ausschließlich Komiker, sondern eiskalter Arschlochkiller im „Millionenspiel“.

million

Ein Freiwilliger wird von drei Mördern eine Woche lang gejagt, begleitet von einem Kamerateam.
Wer ihn erwischt, bekommt 120.000 Mark.
Schafft er es nach sieben Tagen lebend im Studio vor die Kamera, wird er Millionär.
Die Kameras sind rund um die Uhr dabei, und die Zuschauer amüsieren sich vorm Fernseher.
1970 war das, ich hab den Film erst später gesehen und noch viel später verstanden.

Mir tut die heutige Generation der 10- 15 jährigen Leid.
Zuviel falsche Information wird ins kleine Hirn geballert und als vermeintlich richtige Information dort abgelegt.

Wie es besser geht, erklärt Prof. Gerald Hüther in
seinem Vortrag. So geht Gesellschaft und Verantwortung.